Ein Netzwerk für Fragen und Antworten über den christlichen Glauben

Woher kommt die Idee?

Grundlagen in den biblischen Quellen

Die folgende Liste ist nicht vollständig. Aber sie ist voller guter Gedankenanstöße zum Thema Denken und Diskurs:

Seid allezeit bereit zur Verantwortung (apología) vor jedermann, der von euch Rechenschaft (lógos) fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber sanft und voller Ehrfurcht vor Gott. (Die Bibel, 1. Petrusbrief, Kapitel 3,15-16)

Der Hintergedanke ist hier, dass Gläubige so voller Hoffnung leben, dass die Mitmenschen anfangen, Fragen zu stellen. Sie fordern einen „logos“ – eine zusammenhängende, rationale Antwort. Gelegenheit für eine „apologia“ – also eine Verteidigungsrede vor Gericht. So eine Verteidigungsrede wird auch nur überzeugen, wenn sie vernünftig, verständlich und begründet ist.

Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Verstand. (Die Bibel, Lukasevangelium, Kapitel 10, 27)

Ganzheitliches Denken durchzieht die Bibel. Alle Aspekte des Menschseins werden ernst genommen. Menschen haben Denken, Gefühle, Wille, Kraft, Lebendigkeit und Verstand. Jesus nachzufolgen ist eine ganzheitliche Sache, zu der auch das Denken gehört. Gott liebt uns von seiner Seite her auch mit Haut und Haaren. Genau diese Liebe sucht er. Gott mit dem Verstand zu lieben bedeutet, den Verstand einzusetzen, um Gott besser zu verstehen und aktiv zurück zu lieben.

Seid nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht! (Die Bibel, 1. Korintherbrief, Kapitel 14, 20)

Klar, die Bibel spricht von Gott als Vater. Die Gläubigen sind seine Kinder. Klar, sie erwarten von ihrem Vater wie Kinder Gutes. Aber die Bibel sagt nicht, dass Christen in jeder Hinsicht kindlich bleiben sollen. Im Gegenteil!

Bedenke, was ich sage! Der Herr aber wird dir in allen Dingen Einsicht geben. (Die Bibel, 2. Timotheusbrief 2,7)

Interessant, diese beiden Sätze so zusammen zu nehmen. Übernatürliche, göttliche Einsicht entsteht anscheinend (zumindest auch) durch Nachdenken. Und beim Nachdenken gibt es Hoffnung auf Einsicht. Kein Grund also, das Denken einzustellen und auf den Blitzschlag der Offenbarung zu warten. Kein Grund, Denken und Glauben gegeneinander auszuspielen.

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt. (Die Bibel, Kolosserbrief, Kapitel 4,6)

Diese Latte liegt sehr hoch. Nicht nur interessant (salzig) und freundlich, sondern auch sehr kompetent sollen die Gläubigen reden! Und das wird nicht einmal nur von irgendeiner besonderen Person gefordert. Alle gemeinsam werden so herausgefordert. Das geht natürlich nur, wenn alle zusammen helfen und die dafür nötige Denkarbeit leisten.

„Komm in die Gänge, start‘ den Motor im Kopf!“ (Die Bibel, 1. Petrusbrief, Kapitel 1,13)

Ok, diese Zeile stammt von Herbert Grönemeyer (Neuland, 2002).

Aber es ist der Gedanke, den 1.Petrus 1,13 wirklich ausdrückt. Original steht da: „Umgürte die Lenden des Denkens.“ Die „Lenden zu umgürten“ war damals nötig, wenn man sich für den Einsatz, für die Arbeit bereit gemacht hat. Die Leute hatten keine Hosen, sondern lange Kleider an, in denen man nur würdevoll schreiten konnte. Daher mussten sie sie mit einem Gürtel hochbinden, um „in die Gänge zu kommen“.

Dieser Satz spielt im 1. Petrusbrief die Rolle eines Übergangs: Vom Sein (1,3) über das Denken (1,13) zum Tun (2,12) und Reden (3,15). Aus der Identität der Gläubigen entspringt ein passendes Leben – wenn sie klar denken, „nüchtern und voller Hoffnung auf die Gnade“.