Ein Netzwerk für Fragen und Antworten über den christlichen Glauben

Woher kommt die Idee?

Vorbilder für die ersten Christen

Die Christen hatten in ihrer Verteidigung viele Vorbilder:

Sokrates

Plato lieferte mit der Apologie des Sokrates eine Vorlage für die Verteidigung eines zu unrecht hingerichteten Gerechten. Die Verteidigung des Sokrates war weit verbreitet und bekannt.

Das Alte Testament

Das Alte Testament ist voll mit Texten, die auf Herausforderungen seines Weltbildes reagieren: vielfältig, rational, logisch,anschaulich und verkündigend.

Diese Texte verteidigen Überzeugungen. Sie reflektieren das eigene Denken. Sie geben Beispiele für denkerische Auseinandersetzungen. (Vergleiche dazu Riecker, Old Testament Basis, 2018.)

Gewöhnliche Gläubige nehmen sich vor:

„Dann kann ich jedem eine Antwort geben, der mich verhöhnt. … Ich halte sie selbst Königen entgegen und bin gewiss, ich werde nicht beschämt.“ (Psalm 119,42 und 46)

Jesus

Jesus selbst war schlagfertig und von bestechender Logik (vergleiche z.B. Markusevangelium 2,23-27, Johannesevangelium 5,  Lukasevangelium 7,36-50).

Er argumentiert, belegt seine Ansprüche, antwortet auf Fragen und widerlegt Einwände. (Johannesevangelium 3, Matthäusevangelium 21,23-22,46).

Deswegen spricht heißt er beim Philosoph Dallas Willard auch „Jesus der Logiker“ (2011).

Zugleich war Jesus barmherzig und geduldig im Umgang mit Zweifelnden (vergleiche z.B. Matthäusevangelium 11,1-6).

Die Apostel

Die Apostel haben die Praxis von Jesus übernehmen. Sie verkünden ihre Botschaft mit Begründungen und sie widerlegen Einwände. Diese Haltung zeigt sich in Wörtern, Aussagen, Textabschnitten und ganzen Büchern des Neuen Testamentes.

Wörter

διαλέγομαι [dialégomai] kommt in der Apostelgeschichte zehn Mal vor und beschreibt die Tätigkeit des Paulus in Thessalonich (17,2-3), Athen (17,17), Korinth (18,4) und Ephesus (18,19; 19,8-9), in Troas (20,7.9) und Cäsarea (24,25).

Ron Kubsch und Thomas Schirrmacher erklären dazu:

„Bei Sokrates, Plato, Aristoteles bezeichnet dialegomai die Kunst der Unterredung und Beweisführung, die in Frage und Antwort erfolgt. Der Begriff hatte bei den griechischen Philosophen und Logikern eine zentrale Stellung, weil für sie die dialogisierende Rede ‚die einzige Möglichkeit ist, zum λόγος [logos], zur Idee vorzudringen‘ [ThWNT, Bd. 2:93].“ Kubsch/Schirrmacher, Apologetik, 185

Aussagen

Immer wieder werden Aussagen mit begründender Funktion berichtet:

So habt ihr den, der das Leben gebracht hat, getötet. Doch Gott hat ihn vom Tod erweckt, das können wir bezeugen. (Apostelgeschichte 3,15)

Wir können nicht verschweigen, was wir gesehen und gehört haben. (Apostelgeschichte 4,20)

Weitere Beispiel finden sich unter anderem in Apostelgeschichte 4,10-11 oder 5,32.

Textabschnitte

Petrus argumentiert in seiner „Pfingstpredigt“ (Apostelgeschichte 2,14-36), wie das Pfingstereignis zum Alten Testament und zu Jesus passt und was daraus folgt.

Paulus zeigt im Diskurs mit den Akademikern in Athen (Apostelgeschichte 17,22-31) und in seiner Rede an die Landbevölkerung in Lystra (Apostelgeschichte 14,11-17) wie man an die Vernunft und Überzeugung von Menschen appelliert, die die heiligen Schriften der Juden nicht akzeptieren oder kennen.

Vor Porcius Festus und König Agrippa (Apostelgeschichte 26,1-32) spricht Paulus mit einflussreichen Regierenden mit dem Ziel, sie  von der Wahrheit und Vernunft der christlichen Botschaft zu überzeugen.

Bücher

Ganze Bücher des Neuen Testamentes spiegeln ähnliche Motivationen wieder.

Das Evangelium von Johannes wurde geschrieben, um durch den Bericht von historischen Taten und Worten zu überzeugen und Glauben zu wecken.

Jesus tat vor den Augen seiner Jünger noch viele andere Wunder, durch die er ihnen seine Macht und Hoheit zeigte. Sie stehen nicht in diesem Buch. Was aber in diesem Buch steht, wurde aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der versprochene Retter. Wenn ihr euer Vertrauen auf ihn setzt, habt ihr durch ihn das ewige Leben. (Johannesevangelium 20,30-31)

Lukas berichtet am Anfang seines Berichtes über Jesus, dass er Ereignisse niederschreibt, die von Augenzeugen überliefert wurden. Er hat alles sorgfältig untersucht und schreibt es nieder, damit der Leser erkennt: Die gute Nachricht von Jesus ist zuverlässig.

Schon viele haben versucht, die Ereignisse zusammenhängend darzustellen, die Gott unter uns geschehen ließ und mit denen er seine Zusagen eingelöst hat. Diese Ereignisse sind uns überliefert in den Berichten der Augenzeugen, die von Anfang an alles miterlebt hatten und die den Auftrag erhielten, die Botschaft Gottes weiterzugeben. So habe auch ich mich dazu entschlossen, all diesen Überlieferungen bis hin zu den ersten Anfängen sorgfältig nachzugehen und sie für dich, verehrter Theophilus, in der rechten Ordnung und Abfolge niederzuschreiben. Du sollst dadurch die Zuverlässigkeit der Lehre erkennen, in der du unterwiesen wurdest. (Lukasevangelium 1,1-4)

Ein weiteres Beispiel ist der  Hebräerbrief:

„Alexander B. Bruce nannte den Hebräerbrief ‚die erste Apologie für das Christentum‘. Der Brief wurde höchstwahrscheinlich an judenchristliche Empfänger in der Diaspora geschrieben, die verunsichert und verwirrt in das Judentum zurückzufallen drohten.“ (Kubsch/Schirrmacher, Apologetik, 187)

Weiterlesen:

Kubsch, Ron/Schirrmacher, Thomas, Apologetik: Den christlichen Glauben denkerisch bezeugen, in: Kubsch, Ron, Hg., Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können (=Jahrbuch des Martin Bucer Seminars 6), Bonn (VKW) 2007, 181-212.

Rieker, Siegbert, Exegetische Begründung des apologetischen Auftrags, in: Herrmann, Christian/Hille, Rolf, Hg., Verantwortlich glauben. Ein Themenbuch zur christlichen Apologetik, Nürnberg (VTR) 2016, 23-37.

Riecker, Siegbert, The Old Testament Basis of Christian Apologetics. A Biblical-Theological Survey, Eugene, Or.: Wipf&Stock, 2018.

Willard, Dallas, Jesus der Logiker, in: Willard, Dallas, Jünger wird man unterwegs. Jesus-Nachfolge als Lebensstil, Schwarzenfeld (Neufeld Verlag), 2.Aufl. 2011, 217-233.