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Seine revolutionär gute Sicht auf jeden Menschen

„Jeder Mensch ist wertvoll!“ Die Tränen von Petrus

Wenn der absolute Nullpunkt so einen großen Wert darstellt, ändert sich die Sicht auf die Menschen. Die Evangelien zeigen das deutlich am Beispiel des Petrus.

In der Nacht, in der Jesus verraten wurde, hat Petrus versucht, Jesus zu folgen. Vor dem Gerichtssaal steht das Gesinde am Feuer. Petrus verleugnet hier Jesus drei Mal:

„Da fing er an zu fluchen und schwor: Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet. Gleich darauf krähte der Hahn zum zweiten Mal, und Petrus erinnerte sich, dass Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er begann zu weinen.“ (Markusevangelium, 14,71-72)

Die anderen Berichte sprechen sogar davon, dass Petrus bitterlich weinte. (Matthäusevangelium 26,75; Lukasevangelium 22,62)

Wir verstehen das. Seine Seele war verwundet, seine verratene Liebe zu seinem Lehrer, seine Hoffnungslosigkeit. All das bringt Petrus natürlich zum Weinen. Wir sind alle Erben der Kultur die auf diesen Tränen gebaut ist.

In der Antike hat man das überhaupt nicht verstanden. Petrus war ein Fischer, einer aus der Unterschicht. Seine Tränen sind ein ästhetischer Fehler in der Erzählung. Sie und Petrus selbst hätten höchstens in einer Komödie Platz. Seine Tränen sind das Mitgefühl der Reichen und Schönen und Gebildeten (also derer, auf die es damals ankommt) nicht wert. David Bentley Hart (Atheist Delusions. The Christian Revolution and its fashionable enemies, 2009, 167) sagt zu diesen Tränen: „Das ist nicht nur eine Verletzung des guten Geschmacks, das ist Rebellion.“

Jeder Mensch, auch ein Fischer wie Petrus, ist wertvoll!

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