Begründet Glauben

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Seine revolutionär gute Sicht auf Ausgegrenzte

Jesus und Frauen

Wie hat die Welt vor Jesus Frauen gesehen? Telemach sagt zu seiner Mutter Penelope:

„Aber gehe nun heim, besorge deine Geschäfte,
Spindel und Webstuhl, und treib an beschiedener Arbeit
Deine Mägde zum Fleiß! Die Rede gebühret den Männern,
Und vor allem mir; denn mein ist die Herrschaft im Hause!“
(Odyssee I,356-359)

Epiktets Argument gegen Ehebruch lautet: „Was denn, sagst du, sind nicht Frauen Gemeingut? Ich stimme zu, und auch das Schweinchen ist der gemeinsame Besitz der Festgäste, aber wenn die Portionen zugeteilt wurden, ist es falsch, eines anderen Mannes Teil zu nehmen.“ (Diskurs, II.4,1-8) Daher war Ehebruch nur dann eine Straftat, wenn die Frau verheiratet war, und es war nur deshalb eine Straftat, weil die verheiratete Frau als Eigentum des Mannes gesehen wurde.

Wir verstehen, dass Medea bei Euripides klagt:

„Von allem, was auf Erden Seel und Leben hat,
Die allerärmsten Wesen sind wir Frauen doch.“

Jesus war anders. Er bejaht die volle Menschlichkeit der Frau, ihre Gottesebenbildlichkeit und ihre Teilhabe am Bund mit Gott (Matthäusevangelium 19,4; Lukasevangelium 13,16). Er lobt eine Witwe für ihren Glauben (Lukasevangelium 21,2-3) und weckt für eine andere ihren einzigen Sohn von den Toten auf (Lukasevangelium 7,11-15), womit er ziemlich sicher das Vorbild für die Versorgung von Witwen durch christliche Gemeinden wurde ( 1. Tim 3,3-4; Jak. 1,27). Er spricht öffentlich mit Frauen (Johannesevangelium 4, Matthäusevangelium 15,21-28). Er lehrt nicht nur Männer, sondern auch Frauen (Joh. 11,25-26) und nimmt sie als Jüngerinnen an (Mk. 15,41; Lk 8,1-3).

Daher resultieren der hohe Stellenwert und das Ansehen, die Frauen im frühesten Christentum genießen. Sie waren Auferstehungszeuginnen, Jüngerinnen, genossen Respekt und Status. (Philemonbrief 2; Kolosserbrief 4,15; 1. Korintherbrief 16,9; Römerbrief 16,3.1-2; Apostelgeschichte 16; Philipperbrief 4,2-3; Galaterbrief 3,28.) Sie waren zugelassen zu Taufe und Abendmahl.

Es gibt es in den christlichen Gemeinden keinen doppelten Standard für Männer und Frauen (1 Korintherbrief 7,3; Epheserbrief 5,21; 1 Petrusbrief 3,7; Hebräerbrief 13,4; Epheserbrief 5,28). Als Christin konnte sich eine Frau von ihrem Mann wegen Ehebruch scheiden lassen. Und sie heiratet nicht mit 12 und nicht, ohne selbst mitreden zu können. Polygamie, die für Frauen entwürdigend ist, wird abgeschafft. Die Möglichkeit, ein unverheiratetes Leben für den christlichen Dienst zu wählen, eröffnet Frauen einen Ausweg aus der Verfügungsgewalt des pater familias.

Nicht bei allen ist die Botschaft von Jesus über den Wert der Frauen angekommen (Clemens von Alexandrien, Tertullian, Augustinus). Das schmälert aber nicht die Anziehungskraft, die der Glaube an Jesus für Frauen im römischen Reich hat.

Frauen erleben in den christlichen Gemeinden (wo sie, im Gegensatz zu griechischen Versammlungen, öffentlich sprechen dürfen) eine bisher unbekannte Freiheit.

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