Begründet Glauben

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Was ist an Jesus besonders?

Einer von vielen Wundertätern?

Gab es nicht viele Berichte über angebliche Wundertäter?

Es stimmt, dass Jesus Wunder getan hat. Sogar seine Gegner geben das zu. Der Talmud berichtet zum Beispiel davon.

John Dickson, der australische Historiker und Theologe, sagt: „Nahezu jeder, der mit akademischer historischer Jesusforschung befasst ist, unabhängig von ihrem allgemeinen Skeptizismus gegenüber Wundern, gibt offen zu, dass die Quellen über Jesus zu dem Schluss führen, dass er Dinge getan hat, die von den Menschen um ihn als Wunder betrachtet wurden. Diese Schlussfolgerung ist ohne Parallele in der Altertumswissenschaft.“[i]

Ohne Parallele?

Es hat doch viele Wundermänner gegeben, damals, sagt man: Aber das stimmt nicht.

Antike Wundertäter

Es gibt drei Kandidaten aus der griechisch-römischen Welt und zwei aus der jüdischen, die man irgendwie in seine Kategorie reintun möchte:

Alexander der Große

Über Alexander den Großen entwickeln sich im Lauf von 1000 Jahren übernatürliche Geschichten, die wohl von den Erzählungen über Jesus beeinflusst wurden. Die Berichte über Jesus gehen auf Leute zurück, die selbst dabei waren.

Von Alexander wird erzählt, er sei von einer Jungfrau geboren, hätte Wunder vollbracht und die Anrede „Gott“ akzeptiert. Das kann man aber nicht mit Jesus vergleichen: Alexander war aus einer Kultur, in der es als möglich erachtet wurde, dass ein Mensch vergöttlich wurde. Jesus war Jude und lebte in einer Kultur, in der es unmöglich war, dass ein Mensch vergöttlich wird. Die frühesten Berichte über Alexander beinhalten auch keine Wunderberichte – im Gegensatz dazu gibt es keine „vor-übernatürliche“ Überlieferung zu Jesus.

Apollonius von Tyana

Apollonius von Tyana lebte angeblich im ersten Jahrhundert, man sagt er heilte, trieb Dämonen aus, erweckte möglicherweise ein Mädchen von den Toten und erschien seinen Anhängern nach dem Tod.

Der erste Bericht über ihn entsteht 120 Jahre nach den Ereignissen und kann nicht überprüft werden. Philostratus, der Biograph, wurde von der Kaiserin Julia für seinen Bericht bezahlt, die dem Apollonius einen Tempel errichten wollte. Die Geschichten sind wohl von den Evangelien beeinflusst. Obwohl Philostratus für einen Jubelbericht bezahlt wurde, ist er sehr zurückhaltend und vorsichtig, er berichtet, „was erzählt wird“ und „einige sagen“. Die meisten Historiker sind hier sehr skeptisch, ob der echte Apollonius überhaupt von den bewundernden Legenden herausgeschält werden kann. Es ist sogar möglich, dass er als Gegenfigur zu Jesus erschaffen wurde.

Vespasian

Kaiser Vespasian – soll angeblich 69-70 einen Gelähmten und einen Blinden geheilt haben – Augenzeugen berichten es. Die Heilungen legitimieren den Kaiser aus nicht-kaiserlicher Familie und waren vielleicht inszeniert – das wissen wir nicht.

Honi der Kreiszieher

In der jüdischen Welt gibt es zwei Vergleichskandidaten, der erste war Onias/Honi der Kreiszieher/ Honi ha-M’agel, gestorben ca. 65 v.Chr. – er hat für Regen gebetet und es regnete. Das kann man kaum mit Jesus vergleichen.

Chanina ben Dosa

Chanina ben Dosa, gestorben um 75 n.Chr, hatte einen Gebetsdienst für Kranke laut Mishna (Berachot 5,5). Er wusste, ob sein Gebet erhört werden würde oder nicht. Der Talmud schmückt später sein Leben mit Wundergeschichten aus. Die schriftlichen Quellen sind alle nach Jesus entstanden, oft Jahrhunderte später.

Jesus war ganz anders

Ganz anders war Jesus: Von ihm werden über 30 Wunder einzeln berichtet und es gibt immer wieder Zusammenfassungen, dass er noch mehr geheilt hat. Es hat ihm aber politisch nichts gebracht – anders als Vespasian. Und er hat auch nicht lange gebetet oder sonstige Rituale oder Zeremonien vollführt, damit die Leute geheilt werden. Meistens hat er nur gesagt: „Es geschehe.“

  • Jesus braucht keine Zaubersprüche, Beschwörungen, Amulette, Asche, Hundehaare, Weihrauch oder ähnliches. So haben die antiken Magier gearbeitet. (Es gibt übrigens keine Berichte über „erfolgreiche Magier“, nur über ihre Praktiken und den Glauben daran.)

Der einzigartige Grund für die Wunder von Jesus

Die Evangelien berichten über einen einzigartigen Grund für die Wunder von Jesus. Er hat sie als Zeichen und Bestätigung gewirkt, dafür, dass das Reich Gottes gekommen sei (Lk 11,20). Die Zeichen (Joh 4,54) sind Ausdruck der Liebe Gottes für alle Menschen und Bestätigung für die Ansprüche Jesu.

Die einzigartigen Wunder von Jesus

Es hat nie jemanden vergleichbaren gegeben.[ii] Jesus allein vollbrachte alle diese Wunder: Totenauferweckungen, Wasser in Wein verwandelt (Jh 2,7f), auf dem Wasser gehen (Mt 14,25), Brot vermehren (Jh 6,11f), Blinden Augenlicht geben (Jh 9,7), Lahme gehen lassen (Mk 2,3), Dämonen austreiben (Mk 3,10), alle Arten von Krankheiten heilen (Mt 9,35), auch Lepra (Mk 1,40-42). Diese Wunderhäufungen wurden von den Propheten des Alten Testamentes als Zeichen vorausgesagt, dass der Messias gekommen sei (Jes 35,5-6).

Später dazuerfunden?

Eine mögliche Reaktion darauf ist die: Na gut, die Berichte sind da, aber die ganzen Wundergeschichten sind nachträglich reingeschummelt worden. Dafür gibt es keinen Hinweis. Anders als bei Alexander dem Großen gibt es bei Jesus keine „vor-übernatürliche“ Berichterstattung.

Zu sagen, dass Jesus keine Wunder getan hat ist eine Möglichkeit, Jesus für uns einzuschrumpfen, zu normalisieren und zu verbürgerlichen. Jesus wird gezähmt, dann kommen wir klar.

Aber das tut den historischen Quellen Gewalt an.

 

[i] „Virtually everyone involved in the academic study of Jesus, regardless of their scepticism about miracles generally, is happy to conclude that in the case of Jesus the evidence establishes that he did things which those around him considered to be miraculous. That is a conclusion without parallel in the study of antiquity.“ (https://publicchristianity.org/library/was-jesus-miracle-work-unique, 7.10.2015)

[ii] Vgl dazu http://reknew.org/2007/12/is-jesus-unique-2/ 7.10.2015

 

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