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Was ist an Jesus besonders?

Einer von vielen Religionsstiftern oder Weisheitslehrern?

Ist Jesus mit anderen Religionsstiftern oder Weisheitslehrern vergleichbar?

Der der französische Religionshistoriker und Philosoph Frédéric Lenoir vergleicht in seinem Buch „Sokrates, Jesus, Buddha. Die Lebenslehrer“ (Piper, München und Zürich, 2. Aufl 2010) zwei andere Menschen mit Jesus.

Lenoir versucht einerseits, Jesus als einen von vielen darzustellen. Er ist ähnlich wie Sokrates oder Buddha wichtig für uns als Lebenslehrer und bringt uns vor allem Liebe und Ethik.

Obwohl das sein Ziel ist, sagt Lenoir immer wieder: Bei Sokrates und Buddha war es so, bei Jesus war es völlig anders. Hier sind einige Beispiele:

Historisch erforscht

Er wurde am Meisten historisch erforscht. Niemand wurde so unter die Lupe genommen, wie Jesus: „Keine große historische Gestalt, erst recht kein Begründer einer religiösen oder spirituellen Strömung, wurde je Gegenstand einer derart auswendigen objektiven Forschung, …“ (Lenoir 36)

Einstellung zu Besitz

Seine Einstellung zu Besitz war anders: „Bei Jesus ist das völlig anders. Nicht nur zählte er nie auf Gönner und erhielt keine Länder oder Klöster, sondern die einzigen Gaben, die er annahm, waren Mahlzeiten für ihn und seine Anhänger. Mit seinen Jüngern lebte er in größter Mittellosigkeit.“ (Lenoir 106)

Sein Redestil

Seine Art zu Reden war anders: „Sokrates war der Meister des Dialogs und der Ironie; der Buddha bevorzugte den Vortragsstil; und die Besonderheit Jesu ist, dass er alle Redeformen und jede Stilebene benutzte, also Dialog, Ironie, Predigt, aber auch Bekenntnis, Gebet, Gleichnis, Machtwort, und das in dem offensichtlichen Bestreben, sich den jeweiligen Gesprächspartnern anzupassen.“ (125)

Jesus war bekanntermaßen ein literarisches Genie, denken wir nur an seine Gleichnisse oder Gedichte. (Kenneth Baileys Fazit nach der Analyse eines Gedichtes im Lukasevangelium lautet: „The poem is a single unit and must have been shaped into ist present form by a single poet of remarkable skill“ (Kenneth E. Bailey, Poet & Peasant, Eerdmans 1983, 116.)

Wunder

„Die Wunder des Buddha werden immer dann erzählt, wenn die Autorität des Erhabenen unterstrichen werden soll. Sie haben eine pädagogische Zielsetzung, und die Erzählung greift häufig Elemente des mythischen Volksglaubens auf, etwa den eben erwähnten Kampf gegen den Drachen. Da diese Berichte zudem erst mehrere Jahrhunderte nach dem Tod des Buddha verfasst wurden, ist es höchst wahrscheinlich, dass die meisten davon zur Erbauung der Leser erfunden wurden. Ganz anders ist das bei Jesus. Einerseits, weil die Berichte über seine Wunder entweder von Augenzeugen verfasst wurden oder von Schülern, die Berichte von direkten Zeugen gehört hatten; andererseits, und dieser Punkt ist entscheidend, weil die Wunder, die Jesus zugesprochen wer[134/135]den, äußerst zahlreich und für alle Evangelien strukturbildend sind. Sie als erfunden zu bezeichnen würde bedeuten, die Zeugnishaftigkeit der Schrift völlig zu untergraben und die grundlegenden Texte der Christenheit um ein gutes Viertel zu verstümmeln.“ (Lenoir 134-135)

Sein göttlicher Anspruch

Nur Jesus hat behauptet, der transzendente Schöpfergott zu sein: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Johannesevangelium 14,8-10)

Einer seiner Jünger hat ihn eine Woche nach Ostern so angesprochen: „Mein Herr und mein Gott“ (Johannesevangelium 20,28). Jesus hat nicht gesagt: „Stopp, das ist ein Missverständnis, ich bin gar nicht Gott.“ Er hat diese Aussage bestätigt.

Das war nicht pantheistisch gemeint, er hat nicht gemeint: „Wenn Du den Baum ansiehst, siehst Du Gott, wenn Du die Katze ansiehst, siehst Du Gott, wenn Du mich ansiehst, siehst Du Gott.“ Jesus war gläubiger Jude. Er hat gemeint: Wenn Du mich siehst, siehst Du den einzigartigen Schöpfer und Erlöser der Welt.

… schon in den frühesten Berichten

Jesus hat den Anspruch gestellt, Gott zu sein. Dieser Anspruch lässt sich in den frühsten Berichten über ihn nachweisen. Jesus wurde also nicht im Laufe der Jahrhunderte zu Gott „befördert“.

Jesus ändert die Passah-Liturgie und bezieht sie auf sich. Das ist ungefähr so als würden wir heute versuchen, das Vaterunser zu ändern und einen Zeitgenossen in das Gebet zu schreiben.(Markus 14,22-24). Er hat den Namen Gottes für sich verwendet („Ich bin“, Markus 14,62), er hat Gottes Ehrentitel des „Bräutigams“ für sich in Anspruch genommen (Jes 62,5; Jer 2,2; Hes 16,8; Markus 2,19), er hat behauptet, in die Welt gekommen zu sein und schon vorher existiert zu haben (Prä-Existenz, Markus 1,38. 2,17), er hat behauptet, Sünden zu vergeben (Markus 2,5), er hat behauptet, der Richter der Welt zu sein (Markus 13,26. Dan 7,13).

Wahrer Gott und wahrer Mensch

Jesus allein war Gott und Mensch zugleich. Er war keine Mischung, kein Halbgott, kein Gott, der sich als Mensch verkleidet und kein Mensch, der zum Gott „befördert“ wurde – die Aussage über die Gottheit von Jesus ist einzigartig: Er allein ist Gott und Mensch.

Anders als alle Relgionsstifter und Weisheitslehrer

Jesus hat keinen Weg beschrieben, dort drüben, so und so geht das. Er hat gesagt: Ich bin der Weg.

Er hat die Wahrheit nicht gesucht, wie Sokrates: Er hat gesagt: Ich bin die Wahrheit.

Er hat nicht Offenbarung benötigt wie Mohammed. Er war das Wort Gottes.

Er hat nicht Erleuchtung gesucht wie Buddha. Er war das Licht der Welt.

Gott stirbt für uns

Anders als in anderen Weisheitslehren und Religionen geht es bei Jesus nicht darum, was Menschen für sich oder Gott tun.

Es geht darum, was Gott für die Menschen tut.

Deswegen ertrug Jesus die Folter und vergab seinen Folterern (Lukas 23,34).

Er ist freiwillig gestorben, nicht weil es für ihn richtig war, oder er seinen Werten treu bleiben wollte. Er starb, wie er selbst sagt: „als Lösegeld für viele.“ (Markus 10,45).

Sieger über den Tod: Auferstehung

Jesus allein ist auferstanden: „Schließlich ist Jesus der einzige geistliche Führer, der einzige Weise, der einzige Religionsstifter, dessen Jünger behaupteten, er sei auferstanden. Weder für Zarathustra noch für Moses, noch für Buddha oder Konfuzius, für Pythagoras oder für Sokrates, für Mani oder Mohammed wurde je von ihrer Anhängerschaft etwas Vergleichbares in Anspruch genommen. Zwar gab es in der Antike Auferstehungsmythen, insbesondere den des ägyptischen Gottes Osiris, doch nirgends wird behauptet, ein geistlicher Führer aus Fleisch und Blut, der historisch existierte, sei gestorben und auferstanden.“ (Lenoir 164)