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Was sagt Jesus über das Leid?

Leid und Jesus – Gott gibt sich selbst

Gott sitzt nicht einfach im Himmel und sieht zu, wie wir leiden.

Er macht einen Ausweg. Der erste Schritt dazu ist: Er gibt sich selbst.

Er will weiterhin, dass wir ihn lieben und genießen. Aber die Trennung zwischen ihm und uns macht das unmöglich. Seine Strategie gegen unser Leid setzt an dieser Wurzel des Leides an.

Deswegen gibt er sich selbst. Er kommt in diese Welt des Leidens und wird ein Mensch wie wir.

Allerdings lebt er ein Leben, so wie es sein sollte, z.B. als Jesus gesagt hat,

so wie Du behandelt werden willst, so behandle auch alle anderen (Matthäusevangelium 7,12)

… hat keiner geschmunzelt. Keiner hat gesagt, „äh, und wie schaut‘s bei Dir aus, Jesus?“ Das macht ihn radikal anders als jeden und jede von uns.

Gott lebt in unserer Leidenswelt

Er lebt wie wir, in unserer Leidenswelt: Er erlebt politische Verfolgung und Flucht in ein Nachbarland, Hunger, Durst, Müdigkeit, Trauer.

Jesus weint

Gott erlebt Trauer. Jesus steht am Grab eines kürzlich verstorbenen Freundes und weint.

Jesus weinte. (Johannesevangelium 11,35)

Auch Jesus, auch Gott selbst, weint!

Der Gott der Bibel kennt mein Leid nicht nur von außen, wie ein Kameramann, sondern er kennt es durch und durch, auch von innen. Das ist für mich persönlich enorm wichtig!

Und zwei Sätze vorher lesen wir:

Als Jesus die weinende Maria und die Leute sah, die mit ihr trauerten, erfüllten ihn Zorn und Schmerz. (Johannesevangelium 11,32)

Gott macht es zornig und es tut ihm weh, wenn er unser Leid sieht! Wenn er unsere Schreie hört!

Jesus kämpft gegen das Böse und lebt für das Gute

Jesus hat überall gegen das Böse und das Leid gekämpft. Er hat es mit Worten verdammt und mit Taten rückgängig gemacht!

Er hat Heuchelei angeprangert, Krankheiten geheilt, Verwirrten und Verzweifelten Weisheit gegeben.

Und bei all dem hat er nie etwas gemacht, das man ihm vorwerfen hätte können. Er hat immer so gelebt, wie wir leben sollten, nicht für sich selbst, sondern für andere, für Leidende, für seinen Vater.

Und was haben sie mit diesem vorbildlichen Leben gemacht?

Sie nagelten ihn ans Kreuz. (Markus 15,24)

Jesus wird von Gott verlassen

Am Kreuz rief Jesus:

Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? (Markus 15,34)

Jesus, von Gott verlassen? Wenn man das Evangelium zum ersten Mal liest, kommt das als großer Schock. Jesus, vom Vater verlassen?

Es gibt nur eines im ganzen Universum, dass von Gott trennt: Rebellion, Zielverfehlung. Aber wenn die Bibel recht hat, dann hatte Jesus keine Sünde. Warum war er dann gottverlassen?

Wegen uns

Die einzige Antwort, die innerhalb der Geschichte Sinn macht, ist: Schon wegen Verbrechen, aber nicht wegen seiner eigenen, es waren unsere. Das ist der Kern des christlichen Glaubens: Gott kommt in diese Welt, nimmt unseren Dreck auf sich, und zahlt den Preis dafür.

Diese Interpretation, dass Jesus für unsere Rebellion (= „Sünde“) gestorben ist, zieht sich durch das ganze Neue Testament:

Gott hat Christus, der ohne Sünde war, an unserer Stelle als Sünder verurteilt. (Paulus, 2. Korintherbrief 5,21)

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! … Gott liebte die Menschen so sehr, dass er seinen einzigen Sohn hergab. (Johannes, Johannesevangelium 1,29 und 3,16)

Unsere Sünden hat er ans Kreuz hinaufgetragen, mit seinem eigenen Leib. … Auch Christus hat ja für die Sünden der Menschen gelitten, der Gerechte für die Schuldigen, ein für alle Mal. So sollte er euch … den Zugang zu Gott eröffnen. (Petrus, 1. Petrusbrief 2,23 und 3,17-18)

Wenn das stimmt – und es gibt dafür gute Gründe – dann ist das die größte Liebesgeschichte aller Zeiten. Gott war bereit so weit zu gehen, damit wir Vergebung und Freundschaft haben können mit ihm. Das ist Liebe.

Menschen können zurück zu Gott kommen

So macht er einen Ausweg – aus der Trennung zurück in die Liebe Gottes und den Frieden mit Gott. Der Weg zurück ist jetzt frei.

Im ersten Jahrhundert gab es im Tempel in Jerusalem ein sichtbares Symbol dafür. Im Tempel war der Zugang zum Allerheiligsten versperrt. Aber das ändert sich mit dem Tod von Jesus am Kreuz:

Doch Jesus schrie noch einmal laut auf und starb. Da zerriss der Vorhang vor dem Allerheiligsten im Tempel von oben bis unten. (Matthäusevangelium 27,50-51)

Dieser Vorhang war die Erinnerung: Menschen sind von Gott getrennt. Dieser Vorhang zerreißt – von oben nach unten, so als hätte Gott das getan. Als würde Gott jetzt sagen: „Ihr könnt jetzt hereinkommen.“

Neuanfang mit Gott verändert

Gott wirbt in seiner souveränen Liebe: Kommt herein! Alle, die hereinkommen, nehmen den Tod von Jesus für sich in Anspruch. Ihre Schuld vor Gott ist vergeben und ihre Scham getilgt. Sie fangen neu an.

Jesus verspricht ihnen, dass er in ihr Leben kommt und sie verändert.

Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt. (Matthäusevangelium 28,20)

So wird die Liebe, die du zu mir hast, auch sie erfüllen und ich werde in ihnen leben. (Johannesevangelium 17,26)

So geht seine Strategie zur Abschaffung des Leides weiter: Menschen werden verändert und setzen seine Lehre um.