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Argumente für Gott, Existiert Gott?

Über 50 Mal im Lotto gewonnen! Das teleologische Argument (Feinabstimmung)

Bild: Greg Rakozy auf Unsplash

Joan R. Ginther hat vier Mal im Lotto gewonnen. Zwischen 1993 und 2010 gewann sie so über 20 Million Dollar.

Bild: Peggy Marco auf Pixabay

Die Chance dafür beträgt angeblich 1:18×1024, also 1 zu 18.000.000.000.000.000.000.000.000.

Tja, Glück eben, fast unglaubliches Glück! Oder hat es etwas damit zu tun, dass sie einen PhD in Statistik von der amerikanischen Universität Stanford hat?

„Wenn etwas derart Unwahrscheinliches in einem Kasino passiert, verhaftest du die Person, bevor du Fragen stellst.“

Wie hat sie es geschafft? (Ideen dazu hier und hier)  Das kann kein Zufall sein!

Das teleologische Argument von der Feinabstimmung des Universums

Wie auch immer es gelaufen ist – diese Art Glück ist nichts im Vergleich mit unserem Glück. Darauf weist das teleologische Argument.

„Télos“ bedeutet unter anderem Ziel oder Absicht und teleologische Argumente verweisen auf die Absicht, die hinter einem Phänomen steckt. In der Philosophiegeschichte gab es viele derartige Argumente. Das teleologische Argument von der Feinabstimmung des Universums bezieht sich auf moderne naturwissenschaftliche Entdeckungen. Sie sind wie eine Lotto-Gewinn-Serie.

Das Argument hat diese Form:

(1) Die Feinabstimmung des Universums beruht entweder auf Zufall, Notwendigkeit oder Absicht.
(2) Sie beruht nicht auf Zufall oder Notwendigkeit.
(3) Daher beruht die Feinabstimmung auf Absicht.

(1) Die Feinabstimmung des Universums beruht entweder auf Zufall, Notwendigkeit oder Absicht.

Bild: Gerd Altmann auf Pixabay

Wir leben in einer Welt, die überraschend gut auf unser Leben abgestimmt ist. Die physikalischen Konstanten, Ausgangsbedingungen und Größenverhältnisse im Universum fallen genau in einen winzigen Bereich, in dem wir leben können.

Auch die Erde hat eine Reihe von „menschenfreundlichen“ Eigenschaften.

Die Liste ist erstaunlich lang. Im Jahr 2010 führte der Astrophysiker Hugh Ross 93 Phänomene für Leben im Universum und 154 für Leben auf der Erde an.

Das bringt viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Staunen. Der Physiker Paul Davies beschreibt es so:

„Es sieht so aus, als hätte jemand die Zahlen der Natur fein abgestimmt, um das Universum zu schaffen. Dem Eindruck, dass es einen Plan gibt, kann man sich nicht entziehen.“ (Paul Davies 1988, 289f.)

EIN Beispiel: Die Expansionsrate des Universums

Unser Universum braucht eine ganz bestimmte Expansionsrate. Ist sie ein bisschen zu hoch, können keine Galaxien und Sterne aus der Explosion kondensieren. Ist sie ein bisschen zu klein, kollabiert alles wieder, und es können auch keine Sterne entstehen. Der Kosmologe Alan H. Guth beziffert den Faktor, um den es dabei geht, mit 1:1055.

Also 1 zu 10.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.

Das Universum ist enorm genau eingestellt!

Ein paar Beispiele

Wenn die folgenden Phänomene um den angegebenen Faktor abgewichen wären, gäbe es uns nicht:

  • Verhältnis starke Kernkraft zu elektromagnetischen Kraft: 1:1016
  • Verhältnis elektromagnetische Kraft zu Gravitationskonstante: 1:1040
  • Kosmologische Konstante: 1:10120
  • Gravitationskonstante: 1:1060
  • Masseverteilung im frühen Universum: 1: 1010hoch123

Belege: Lennox 2006, 101; Max Baker-Hytch 2020; Craig 2017,89-90; Craig 2016; Widenmeyer 2016, 132.

Die Erde ist seltsam menschenfreundlich.

Auch unsere Erde ist ein seltsam menschenfreundlicher Planet. Nicht nur sind wir in unserer Galaxie unwahrscheinlich weit in einem der hintersten Winkel, so dass wir in der Nacht die Sterne sehen können – das ist natürlich schön. Aber unser Planet ist in einem guten Abstand zur Sonne, genau richtig, dass Wasser flüssig vorkommt. Und unser Mond hilft uns, dass die Rotationsachse der Erde und damit die Jahreszeiten stabil bleiben – außerdem fängt er haufenweise Meteoriten ab.

Es schaut so aus, als wäre die Welt und das Universum bewusst gestaltet – mit einem Ziel, einem télos (daher: teleologisch).

Einfach Zufall?

Wie erklären wir die Feinabstimmung? Eine sehr seltsame Erklärung geht so: Natürlich hat das Universum diese Eigenschaften, sonst könnten wir das ja gar nicht sehen. Weil es uns gar nicht gäbe. Das erklärt rein gar nichts.

Bild: Peggy_Marco auf Pixabay

Wer 50 Mal im Lotto gewinnt, soll nicht danach fragen, warum?

Vergleichen wir das mit einem Beispiel (es geht auf den Philosophen John Leslie zurück): Sie werden zu Unrecht zum Tod durch Erschießen verurteilt und 50 Scharfschützen legen aus drei Metern Entfernung auf sie an. Und alle schießen daneben. Wieso? Würden Sie da die Antwort akzeptieren: Natürlich haben sie daneben geschossen, weil Sie ja sonst tot wären und Sie das gar nicht mehr miterleben könnten. Das erklärt gar nichts. Wieso haben alle daneben geschossen?

Oder denken wir daran, wie schnell wir bei Joan R. Ginthers viel kleinerem Glück nach einer Erklärung suchen.

(2) Die Feinabstimmung beruht nicht auf Zufall oder Notwendigkeit.

Es gibt drei Erklärungsversuche: Zufall, Notwendigkeit oder Absicht.

Zufall ist unbefriedigend – das ist einfach ein zu großer Zufall. Wir suchen nach einer Erklärung, Zufall erklärt gar nichts und ist extrem unwahrscheinlich.

Notwendigkeit können wir ausschließen: das Maß der Energie, die Anfangsbedingungen des Universums sind nicht notwendig – unsere Naturgesetze würden auch mit ganz anderen Anfangsbedingungen funktionieren.

Glück im Multiversum?

Aber vielleicht gibt es viele Universen, in denen alle möglichen Feinabstimmungen verwirklicht sind – und wir haben Glück, dass wir im richtigen sind? Das mit den vielen Universen hat nur einen Haken: Wir können sie nicht beobachten, sie sind reine Theorie. Es gibt keine Belege. (Außerdem leidet diese Theorie an vielen Schwierigkeiten – vom ungeklärten Ursprung und Wesen des Multiversums bis zur Abdankung der Naturwissenschaft.)

(3) Also Absicht?

Bild: Greg Rakozy auf Unsplash

Dann bleibt nur die Absicht.

Jemand hat das absichtsvoll gemacht! Jemand, der außerhalb unseres Universums das so entschieden hat. Jemand, der sehr weise ist. Jemand, der wollte, dass wir leben.

Diese Variante des teleologische Arguments passt gut zu der christlichen Vorstellung eines Gottes, der planvoll und weise die Welt gestaltet, damit Menschen darin leben. Ohne Gott ist die Feinabstimmung des Universums ein unerklärliches Rätsel. Die beste Erklärung dafür ist:

Kunstvoll hat er den Himmel gewölbt. – Seine Liebe hört niemals auf!
Über den Meeren hat er die Erde ausgebreitet. – Seine Liebe hört niemals auf!
Er hat die großen Lichter gemacht: – Seine Liebe hört niemals auf!
Die Sonne, um den Tag zu regieren – – Seine Liebe hört niemals auf!
Mond und Sterne für die Nacht. – Seine Liebe hört niemals auf!
(Die Bibel, Psalm 136,5-9)

Durch das Wort des Herrn ist der Himmel entstanden, die Gestirne schuf er durch seinen Befehl.
Das Wasser am Himmel hat er in Wolken gefasst, die Fluten in Kammern eingesperrt.
Vor ihm muss sich die ganze Erde fürchten und jeder Mensch in Ehrfurcht erschauern.
Denn er spricht und es geschieht; er gibt einen Befehl, schon ist er ausgeführt.
Der Herr durchkreuzt die Beschlüsse der Völker, er macht ihre stolzen Pläne zunichte.
Doch was er selbst sich vornimmt, das führt er auch aus; sein Plan steht für alle Zeiten fest.
Glücklich das Volk, das den Herrn zum Gott hat, das er erwählt hat als sein Eigentum!
(Die Bibel, Psalm 33,6-11)

Ich habe mit dem Tag und der Nacht einen Bund geschlossen: Sie kommen und gehen zur festgesetzten Zeit. (Die Bibel, Jeremia 33,20)

Der Herr, der einzige Gott, hat Himmel und Erde gemacht. Er hat die Erde fest gegründet; und er hat sie nicht geschaffen, damit sie leer und öde sein soll, sondern damit seine Geschöpfe auf ihr wohnen können. Und dieser Gott sagt: Ich bin der Herr, es gibt keinen anderen Gott! (Die Bibel, Jesaja 45,18)

 

Weitere Belege und Literatur:

„When something this unlikely happens in a casino, you arrest ‘em first and ask questions later.“ (https://www.dailymail.co.uk/news/article-2023514/Joan-R-Ginther-won-lottery-4-times-Stanford-University-statistics-PhD.html, 6.7.2020)

Auf die Geschichte von Joan R. Ginther bin ich hier gestoßen: Clinton E. Arnold, Jeff Arnold, Short Answers to Big Questions about God, the Bible, and Christianity,  Baker Books, Grand Rapids, 2015, 175.

Alan H. Guth, „Inflationary Universe: A Possible Solution to the Horizon and Flatness Problems“, in Physical Review D, 23. (1981), 348, zitiert nach Hugh Ross, “Design and the Anthropic Principle“, http://www.reasons.org/design-and-anthropic-principle, 17. 6. 2010.

Hugh Ross, Fine-tuning for Life in the Universe, http://www.reasons.org/fine-tuning-life-universe-aug-2006 (17. 6. 2010, nicht mehr verfügbar).

Hugh Ross, Fine-tuning for Life on Earth, https://reasons.org/explore/blogs/todays-new-reason-to-believe/read/tnrtb/2004/06/07/fine-tuning-for-life-on-earth-updated-june-2004 (1. 7. 2020).

Das Scharfschützenbeispiel von John Leslie findet sich in John Leslie, “Anthropic Principle, World Ensemble, Design,” American Philosophical Quarterly, 19 (1982), 141-51. Der Hinweis darauf stammt von , A Beginner’s Guide to the Fine-Tuning Argument, https://www.solas-cpc.org/a-beginners-guide-to-the-fine-tuning-argument-%F0%9F%8C%B6-%F0%9F%8C%B6-%F0%9F%8C%B6/ (7.7.2020).

John Lennox, Hat die Wissenschaft Gott begraben? SCM R.Brockhaus, Witten 2009.

Paul Davies, Prinzip Chaos. Die neue Ordnung des Kosmos, übers. v. Friedrich Griese, Bertelsmann, München 1988, zitiert nach Lennox 2009, 102.

Alexander Fink, Faszination Universum. Kosmologie und der Glaube an Gott (2017),  https://www.iguw.de/site/assets/files/1199/fink_kosmologie_studienbrief-2017.pdf (10.7.2020).

Markus Widenmeyer, Kann man die Existenz Gottes beweisen?, Jahrbuch für evangelikale Theologie 30, 2016, 121-150, besonders 126-135, https://www.afet.de/download/2016/WidenmeyerJETh2016Endfassung.pdf (11.08.2020).

Beispiele für fein abgestimmte Phänomene finden sich hier:

  • https://en.wikipedia.org/wiki/Fine-tuned_universe (9.7.2020).
  • Peter Hägele, Das kosmologische anthropische Prinzip (2003), http://www.uni-ulm.de/~phaegele/Feinabstimmung_Physik.pdf (9.7.2020).
  • Peter Hägele, Die moderne Kosmologieund die Feinabstimmungder Naturkonstanten auf Leben hin, in: M. Bröking-Bortfeldt, M. Rothgangel (Hrsg.): Glaube und Denken. Jahrbuch der Karl-Heim-Gesellschaft 18. Jahrgang 2005. Frankfurt a. M.: Peter Lang. Europäischer Verlag der Wissenschaften 2006. (https://www.iguw.de/site/assets/files/1199/fink_kosmologie_studienbrief-2017.pdf, 10.7.2020)
  • William Lane Craig, Die Feinabstimmung des Universums (2016): https://www.youtube.com/embed/p2I7qBArM3E (9.7.2020).
  • Luke Barnes, A Reasonable Little Question: A Formulation of the Fine-Tuning Argument, Ergo (42/6) 2020, 1220-1257 (http://dx.doi.org/10.3998/ergo.12405314.0006.042), beschränkt sich auf 31 kosmologische und teilchenphysikalische Konstanten und bezieht nur gesicherte und gut verstandene Daten mit ein. Sein Ergebnis: „Combining our estimates, the likelihood of a life-permitting universe on naturalism
    is less than 10-136.“ (1239)  „The fine-tuning of the universe for life shows that, according to the best physical theories we have, naturalism overwhelmingly expects a dead universe.“ (1251)