Flavius Josephus (37/38-ca.100 n.Chr.) berichtet über Jesus. Er war ein jüdischer Historiker und General im jüdischen Krieg gegen Rom.
Die berühmte Stelle aus den Jüdischen Altertümern hat einen eigenen Namen: „Testimonium Flavianum“. Darin berichtet Josephus über Jesus und bezeichnet ihn als „den Christus“, was von dem nicht-christlichen Pharisäer Josephus entweder ironisch gemeint war oder in dieser Form nicht der ursprüngliche Text war. Da umstritten ist, wie gut der Text überliefert wurde, wird hier nur ein relativ unkontroversieller Teil angeführt:
„Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, … Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten … Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu; …“ (Jüdische Altertümer XVIII.3.3. (63))
Flavius Josephus berichtet ein zweites Mal über Jesus: Eine weitere Erwähnung findet Jesus im Zusammenhang mit der Ermordung von Jakobus, der ein Bruder von „Jesus, genannt dem Christus“ war. (Jüdische Altertümer XX.9)
Neue Forschungsergebnisse zum Bericht von Flavius Josephus über Jesus
T.C. Schmidt hat 2025 neue Forschungsergebnisse zur Authentizität der überlieferten Aussagen des Josephus über Jesus vorgelegt (T.C. Schmidt, Josephus And Jesus. New Evidence for the One Called Christ. Oxford University Press 2025).
Schmidt weist nach, dass Josephus durch seine Beziehungen in die jüdische Oberschicht in einer sehr guten Position war, über Jesus zu erfahren. Außerdem konnte er belegen, dass der Wortschatz und die Phraseologie des „Testimonium Flavianum“ genau zu den übrigen Texten des Josephus passen.
Doch wieso berichtet Josephus Flavius so positiv über Jesus? Das war laut Schmidt vor allem ein Problem der Übersetzung. Griechisch sprachige Autoren der Spätantike haben seine Aussagen über Jesus nicht als Jubel aufgefasst – sie haben Josephus viel kritischer gelesen.
Deshalb übersetzt T.C. Schmidt die betreffende Textstelle so:
Und zu dieser Zeit lebte ein gewisser Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen kann, denn er vollbrachte unglaubliche Taten und lehrte Menschen, die Binsenweisheiten mit Freude aufnahmen. Und er überzeugte viele Juden und viele Griechen. [Man dachte,] er war der Christus. Und als Pilatus ihn auf die Anklage der ersten Männer unter uns hin zum Kreuz verurteilte, hörten diejenigen, die ihm anfangs ergeben waren, nicht auf, es zu sein. Denn am dritten Tag schien es ihnen, als sei er wieder lebendig, da die göttlichen Propheten solche und tausend andere wunderbare Dinge über ihn gesprochen hatten. Und bis heute ist der Stamm der Christen, der nach ihm benannt wurde, nicht verschwunden. (Schmidt, Josephus and Jesus, OUP 2025, 204, eig. ÜS)
(Englisches Originalzitat:)
“And in this time, there was a certain Jesus, a wise man, if indeed one ought to call him a man, for he was a doer of incredible deeds, a teacher of men who receive truisms with pleasure. And he brought over many from among the Jews and many from among the Greeks. He was [thought to be] the Christ.
And, when Pilate had condemned him to the cross at the accusation of the first men among us, those who at first were devoted to him did not cease to be so,
for on the third day it seemed to them that he was alive again given that the divine prophets had spoken such things and thousands of other wonderful things about him. And up till now the tribe of the Christians, who were named from him, has not disappeared.”
(T.C. Schmidt, Josephus and Jesus, OUP 2025, 204)
Die Wörter in eckigen Klammern kommen aus textkritischen Überlegungen. Der griechische Text ist voller kritischer, doppeldeutiger Aussagen.
Zum Beispiel verwendet Josephus für die Wunder das Wort „Paradoxa“ und das ist auch, was die bösen Zauberer in Ägypten zur Zeit von Mose gemacht haben – diese Zauberer nennt Josephus auch „Weise“.
Die ungewöhnliche Aussage, Jesus hätte viel Griechen als Nachfolger gewonnen, oder der Ausdruck „die ersten Männer unter uns“ sind Beispiele dafür, dass Josephus nicht einfach ein Evangelium exzerpiert. Er geht wohl von seinen eigenen Quellen aus.
Was bedeutet der Bericht von Flavius Josephus über Jesus?
Wenn T.C. Schmidt recht hat, bedeutet das: Wir haben aus dem ersten Jahrhundert eine außerbiblische Quelle von einem Nicht-Christen, der uns sagt:
- Jesus war ein Lehrer.
- Bei Jesus sind auch übernatürliche Dinge geschehen, aber ähnlich wie die Gegner von Jesus in den Evangelien oder im Talmud geht Josephus wohl von einer dunklen Quelle aus.
- Seine Jünger waren Juden und Nichtjuden – und die waren auch ein bisschen leichtgläubig.
- Man hielt ihn für den Christus.
- Er wurde von den führenden Männern, den Kreisen, in denen Josephus später selbst verkehrte, angeklagt.
- Pilatus ließ ihn kreuzigen.
- Seine Jünger haben nicht aufgehört, ihn zu verehren.
- Es erschien ihnen nämlich, als wäre er am dritten Tag wieder lebendig – also als hätte eine körperliche Auferstehung stattgefunden.
- Außerdem passte das auch in den Kontext und die Erwartungen des Alten Testamentes.
- Da ist ein eigener Stamm entstanden, die Christen – und die gibt es am Ende des ersten Jahrhunderts „noch immer“ – also schon länger.
Flavius Josephus berichtet über Jesus. Alles in allem sagt er uns nichts, was ein negativ eingestellter Jude aus dem ersten Jahrhundert nicht sagen könnte. Was er sagt, bestätigt die Aussagen aus dem Neuen Testament.
MEHR
T.C. Schmidt, Josephus And Jesus. New Evidence for the One Called Christ. Oxford University Press, Oxford 2025. (Online verfügbar unter josephusandjesus.com)
Christian Bensel, Was wissen wir ohne die Bibel über Jesus?, https://www.begruendetglauben.at/category/wahr/historizitaet-der-sache-mit-jesus/was-wissen-wir-ohne-die-bibel-ueber-jesus/

